Bezirkegruene.at
Navigation:
am 6. Dezember 2013

Ökologisch, Modular und Flexibel: Student­Innen­wohn­heim auf Zeit

Christoph Chorherr - In Zeiten von steigenden Mieten wollen wir einen neuen, innovativen Weg gehen: Leerstehende Grundstücke sollen optimal genützt und günstiger Wohnraum für junge Menschen geschaffen werden.

Viele Studierende in Wien leiden unter dem Mangel an leistbarem Wohnraum. Zimmer in WGs oder StudentInnenwohnheimen kosten am Markt mittlerweile bis zu 550 Euro pro Monat. Hauptursache ist der Mangel an Baugründen, der die Preise für Wohnraum weiter in die Höhe treibt. Wir wollen für Studierende kostengünstigen Wohnraum schaffen, mit Hilfe von temporären, mobilen Studentenheimen.

Das Konzept, Der wettbewerb

Auf Grundstücken im Nahbereich der Stadt, welche erst in frühestens 5 Jahren bebaut werden, sollen gemeinnützige Studentenheimträger kostengünstige, temporäre, ökologische Wohnangebote errichten, die in der Folge (wenn das Grundstück einer langfristigen Nutzung zugeführt wird) abgebaut und auf einem anderen Grundstück wieder errichtet werden („Umstellbares StudentInnen-Wohnheim“). Dazu wurde ein Architekturwettbewerb gestartet (siehe www.architekturwettbewerb.at), Ende März kommenden Jahres wird ein Preisgericht die eingelangten Entwürfe beurteilen. Pro Wohnheinheit sollen Studierende nicht mehr als ca. 300 Euro pro Monat zahlen müssen.

Mit dem „Studentenwohnheim auf Zeit“ gehen wir in Zeiten von steigenden Mieten einen neuen, innovativen Weg. Wien ist die Stadt der Studierenden, wir wollen dem steigenden Wohnbedarf mit dieser Innovation begegnen. Leerstehende Grundstücke werden optimal genützt und günstiger Wohnraum für junge Menschen geschaffen. Ich freue mich, dass Wohnbauträger, Studentenheimbetreiber und Liegenschaftseigentümer für diese Projekt gewonnen werden konnten.

Architektonische Qualität, ökologische Orientierung 

Die Projekte sollen modular und flexibel entwickelt werden, da eine Anpassbarkeit (Größe und Anordnung) an unterschiedliche Grundstückskonfigurationen möglich sein muss. Die Bauwerkshöhe ist dadurch beschränkt, dass aus ökonomischen Gründen auf einen Aufzug verzichtet werden soll. Das Projekt soll architektonisch, funktional, baurechtlich, und ökonomisch bei verschiedenen Größen machbar sein.

Von Baumaterial bis Energiekonzept wird ein möglichst hoher Standard angestrebt: nach Möglichkeit „Nullenergie“ oder „EnergiePLUS-Status“. Fassade und Dach sollen für Photovoltaikmodule geeignet sein oder gleich mitgedacht werden, um auch Energie zu erzeugen. Das Haus soll auch bezüglich „Sommertauglichkeit“ besser (kühler) sein als ein normales Haus (natürlich ohne Klimaanlage).

Die Ausstattung soll der Standardausstattung von Studentenheimen entsprechen. Vorgesehen sind Einzelgarconnieren mit Bad/WC. WG-artige Wohnformen und ähnliche Lösungen sollen möglich sein, aber keine „echten“ Doppelzimmer. Ein Gemeinschaftsraum/ Partyraum (30-40 m2), Waschküche, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sollen ausreichend vorhanden sein.

Die Errichtungskosten sollen rund 35.000 Euro je Heimplatz (ohne Photovoltaikanlage) nicht übersteigen. Bei der Refinanzierung ist von einer Funktionsdauer von 40 Jahren und 5-maligem Auf- und Abbau auszugehen. Die Objekte sollen mindestens 5 Jahre an einem Ort stehen können. Ein erstes Projekt für 80 StudentInnen soll in der Seestadt Aspern entstehen. Der Bauplatz ist etwa 3.500 m2 groß.

Modulares StudentInnenwohnheim
Ein Beispiel aus England für mobiles Wohnen .
„Wir gehen einen neuen, innovativen Weg.“
Christoph Chorherr

Das Sagen die Projektpartner

Michael Gehbauer, Geschäftsführer Wohnbauvereinigung für Privatangestellte: „Für uns ist das studentische Wohnen, sowie z.B. beim in Bau befindlichen energieoptimierten "GreenHouse", dem Studentenheim in der Seestadt Aspern, auch immer mit Experimenten verbunden. Es ist daher für uns eine besondere Freude, beim Wettbewerb "Studentenheim auf Zeit" als Bauträger dabei sein zu dürfen. Flexibilität und Mobilität sind Anforderungen, denen sich Studenten heute selbstverständlich stellen müssen. Dies sollte sich beim studentischen Wohnen auch widerspiegeln.“

Claudia Nutz, Aspern Development AG: „Studentisches Wohnen auf Zeit verkörpert Grundprinzipien der Seestadt Aspern: Innovation, Flexibilität und natürlich den Menschen in den Mittelpunkt rücken. Die junge Generation bei einem guten Start ins Leben zu unterstützen ist essentiell für unsere Gesellschaft. Für uns war also sofort klar, dass wir hier einen Beitrag leisten.“

Sabine Straßer, Geschäftsführerin home4students, Österreichische Studentenförderungs-stiftung: „Ich finde den Gedanken, freie Flächen vorübergehend als Wohnraum für Studierende zu nutzen, extrem verführerisch. Gerade in Wien ist der Bedarf sehr hoch und mit der gegebenen Immobilienpreisentwicklung wird es immer schwieriger leistbare Projekte zu verwirklichen. Ich erhoffe mir vom Wettbewerb innovative und spannende Konzepte betreffend Gestaltung und Nutzung. Mein Lieblingsobjekt, unser fast 20 Jahre alter Erlachplatz, ist diesbezüglich leider immer noch eine Ausnahmeerscheinung.“

Günther Jedliczka, Geschäftsführer OeAD Housing: „Unser Ziel ist es, ökologische, qualitativ hochwertige Gebäude für internationale Studierende zu bauen unter dem Motto „passive houses for active students“.

1 Kommentar (1 Antwort)

petra kickenweitz

06.12.2013 um 13:37 Uhr

Lieber Christoph Chorherr, Die Idee und Ambition ist super aber einen Wettbewerb auszuloben ohne Abstimmung mit der Kammer geht einfach nicht ... ein "no go" im Umgang und Respekt mit der Arbeit von ArchitektInnen. Und wieder ein Beispiel, nach Parlament, orf, mehr wie auf faire Verfahrensregeln seitens der öffentlichen Hand und Politik gepfiffen wird. Auch wenn Genossenschaften im BVerG ausgenommen sind, so bedienen sie sich genauso wie die Studentenstiftung, der ORF, das Parlament, die Parteien aus öffentlichen Steuermitteln! Das die Grünen den selben Weg beschreiten ist beschämend.

 Antwort (1) anzeigen